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galea, 28.02.2001
Informationen über den Korthals-Griffon, seine Herkunft, seine jagdliche Brauchbarkeit, seinen Charakter und seine Zuchtvoraussetzungen |
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Der Korthals-Griffon
Griffon als Rassebezeichnung: Es existieren sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland die unterschiedlichsten als "Griffons" bezeichneten Rassen. Dieses führt häufig zu Mißdeutungen, da es Griffons gibt, die mit unserem Vorstehhund lediglich den Namen gemeinsam haben. So gibt es in Frankreich die unterschiedlichsten oft nur regional bekannten Hunderassen. Allgemein werden langhaarige Hunde als "Epagneuls", kurzhaarige als "Braques" und die rauhhaarigen als "Griffons" bezeichnet. Auf die Benennung der Haarvariante folgt bei der Namensgebung in Frankreich jeweils der Name der Region bzw. der Provinz, in der sich die Rasse ursprünglich entwickelte. Falls in der Bezeichnung eine Größenangabe erfolgt, so wird diese der Herkunftsbezeichnung vorangestellt. So gibt es in Frankreich neben dem "Korthals-Griffon" heute noch folgende Griffon -Rassen: - Griffon Vendeen (weiß-braun gefleckt)
Das Wort Griffon weist zum einen auf das äußere Erscheinungsbild des Griffon-Vorstehhundes hin, andererseits deutet es auch auf bestimmte Eigenschaften hin. Das spanische Wort "grifo" könnte als Ursprung des Begriffes anzusehen sein, da dieses Wort für jemanden gebraucht wird, der zerzaustes oder verwirrtes Haupthaar hat. Aus dem Althochdeutschen kommt das Wort "grifan", es bedeutet "greifen". In der französischen Sprache findet man die Begriffe "griffe" = Kralle, "griffoner" = kritzeln und ein "griffen" ist ein ungepflegt aussehender Lümmel. Ein "mit Krallen bewehrter Greif als Wappentier" wird in der Heraldik "Griffon" genannt. Herkunft des Griffons:
Der in Deutschland als "Griffon" bezeichnete Vorstehhund müßte eigentlich präziser "Korthals-Griffon" genannt werden. Er wurde durch den Holländer Karl-Eduard Korthals in zwölfjähriger, intensiver Zucht aus acht sogenannten Patriarchen durch strenge Selektion herausgezüchtet und wird seit 1888, dem Jahr der Gründung des Griffon-Clubs, in Reinzucht weitergezüchtet. Im Jahre 1870, damals erst 19 Jahre alt, begann Korthals mit der Auslese des rauhhaarigen Griffons. Er setzte sich zum Ziel, die körperlichen und wesensmäßigen Eigenschaften einiger seiner Hunde zu festigen. Bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1896 im Alter von nur 46 Jahren verfolgte er diese Zuchtziele mit großer Zähigkeit und Können. Im Jahre 1873 zog er zum Prinzen zu Solms-Braunfels, der ihm seinen Zwinger "Wolfsmühle" zur Verfügung stellte und dort die verschiedensten Jagdhunderassen züchtete. Da Korthals in den Poldern von Amsterdam geboren wurde und dort auch zu jagen begann, war es für ihn zeitlebens von großer Bedeutung, Hunde mit großer Wasserpassion zu führen und zu züchten. Wegen ihrer Intelligenz, Robustheit und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Temperaturunterschieden konnten die von Korthals gezüchteten Griffons zu idealen Gehilfen des Jägers werden.
Sie waren widerstandsfähig, hart und entwickelten sich zu dem Vorstehhund der Jagdpraxis in jedem Gelände und bei allen klimatischen Bedingungen. Korthals gelang es, in den wildreichen Revieren des hessischen Rieds seinen Griffons Höchstleistungen abzuverlangen, wobei ihm die Pointer des Prinzen Albrecht für die Feldarbeit als Vorbild dienten.
Dieser Betonung der Feldarbeit wurde nicht überall zugestimmt, so daß vor allem in Bayern die bedächtigere Suche und die Verbesserung der Waldfächer angestrebt wurde. Die ursprünglichen Feldsucheveranstaltungen ähnelten den sogenannten Field-Trials, die nach wie vor im europäischen Ausland, vor allem in Frankreich, Holland, Belgien und Italien, ausgeübt werden und immer mehr eine sportliche Note bekommen haben. Der im Jahre 1895 gegründete "Griffon-Club für Süddeutschland" favorisierte die heute in Deutschland übliche Idee von einem Vollgebrauchsjagdhund, der nicht sportlich, sondern nur zur Überprüfung seiner Anlagen und seines Abrichtungserfolges auf Prüfungen geführt wird. Voraussetzungen für Griffons, um zur Zucht zugelassen zu werden: Zuchttiere müssen auf den Form - und Haarbewertungen mindestens mit "gut" beurteilt werden. Des weiteren müssen diese Tiere auf den Anlagenprüfungen wenigstens folgende Beurteilung erreichen: Nase, Suche und Durchschnittsnote für die Wasserarbeit "oberes gut" (wenigstens 7 Punkte), Vorstehen wenigstens "mittleres gut" (6 Punkte) oder auf einer bis zum 4. Lebensjahr bestandenen Verbandsgebrauchsprüfung mindestens bei der Schweißarbeit, der Fuchsschleppe, Nase, Vorstehen, und als Durchschnittsnote für die Wasserarbeit ein "gut" (3 Punkte) erreichen. Im übrigen muß für alle Zuchttiere die HD-Freiheit nachgewiesen werden. Sonstige erblich bedingte Erkrankungen führen ebenfalls zum Zuchtausschluß. Schließlich werden alle Zuchttiere auf ihre Wesensfestigkeit geprüft. Typisch für Griffons ist ein gezügeltes, ruhiges Temperament, bei ausgeprägter Passion. Hunde, die Schußempfindlichkeit, starke Schußempfindlichkeit, Schußscheue, allgemeine Scheue, Ängstlichkeit oder starke Nervosität zeigen, werden für die Zucht gesperrt. Gleiches gilt für Beißer, waidlaute Tiere oder Hunde mit erkannter mangelnder Wild-und Raubzeugschärfe. Das Hauptaugenmerk wird vom Griffon-Club auf den Nachweis von Leistungen gelegt. Die Schönheitszucht und das damit verbundene Ausstellungswesen wird in der Regel von den Clubmitgliedern abgelehnt. Dementsprechend werden unsere Hunde auch nicht frisiert oder in Form geschoren, wie das bei befreundeten Griffon-Clubs des Auslandes durchaus üblich ist. Besondere Eigenschaften des Griffons:
Der Griffon ist bekannt als intelligenter und vor allem als leichtführiger Vorstehhund, der sich durch besondere Sensibilität und Freundlichkeit auszeichnet. Er kann als ausgesprochener Familienhund bezeichnet werden, der zwar niemals einem Familienmitglied ein Häarchen krümmt, dessen Schutztrieb aber durchaus vorhanden und nicht zu unterschätzen ist. Hierbei ist schon seine imposante Erscheinung geeignet, Respekt einzuflößen. Wie ist es nun erklärlich, daß diese sympatische Rasse in Deutschland so wenig vertreten ist? Der Griffon-Club handelt nach der Leitlinie Qualität vor Quantität und legt besonderen Wert darauf, seine Welpen fast ausschließlich in Jägerhände abzugeben, um zu gewährleisten, daß das relativ geringe Zuchtpotential auf Zuchtprüfungen seine Brauchbarkeit beweist und dem praktischen Jagdgebrauch zugeführt wird. In den letzten Jahren wurden Griffons vermehrt auf Schweiß geführt, wozu sie aufgrund ihrer Ruhe und Konzentrationsfähigkeit offensichtlich besonders geeignet sind. So wurden im Jahre 96/97 immerhin 6 Griffons erfolgreich auf Verbandsschweißprüfungen auf der "über 20 und über 40 Std. Fährte" geführt. Der Griffon wird seinen Führer in der Regel zuverlässig zum Stück bringen und hier auch in der Lage sein, ein Stück Rehwild oder ein geringes Stück Dam-oder Rotwild niederzuziehen. In der Regel wird er jedoch ein angeschossenes Stück Schwarzwild nicht annehmen, sondern durch Verbellen anzeigen, daß er das Wild gefunden hat. Wer also unbedingt Wert darauf legt, einen überaus scharfen Hund zu führen, der sich in KAMIKAZE-Manier in dem Stück verbeißt, sollte sich einer anderen Rasse zuwenden. Jährlich fallen ziemlich konstant 10 - 12 Würfe. Es werden durchschnittlich 80 Welpen im Griffon-Stammbuch eingetragen . Die Zahl deutscher Griffons hat sich seit zwanzig Jahren bei einer Zahl von insgesamt ca. 800 stabilisiert. Der Griffon ist ein robuster Hund, bei dem bisher noch keine Degenerationserscheinungen aufgetreten sind. Tierarztbesuche sind meistens nur zu den regelmäßigen Impfterminen erforderlich. Um Degenerationserscheinungen vorzubeugen hat der Griffon-Club ein hoch interessantes Modell entwickelt. Es wurden vor etwa sieben Jahren gezielt französische Griffons zur Blutsauffrischung eingeführt. Bei diesen Hunden handelt es sich zwar reinrassige Korthals-Griffons, sie haben sich aber, bedingt durch eine isolierte Populationsentwicklung, genetisch sehr weit von den in Deutschland gezüchteten Jagdhunden entfernt. Diese eingeführten Ursprungstiere müssen alle in Deutschland üblichen Prüfungen mit sehr guten Erfolgen bestehen und dürfen auch sonst keine Mängel aufweisen, um zur Zucht eingesetzt zu werden. In dieser "französischen Linie" wird über drei Generationen isoliert gezüchtet und mit den hieraus resultierenden Welpen wird in gleicher Weise selektiert. Erst wenn in dritter Generation Nachkommen erscheinen, die zu keinerlei Kritik Anlaß geben, werden diese gezielt in die deutsche Population einfließen. Dieser beschwerliche und zeitaufwendige Weg wird beschritten, um das Risiko für den genetischen Pool des Griffon-Clubs zu minimieren.
Die unkritische Einkreuzung unbekannten genetischen Materials ist, einmal geschehen, nicht mehr rückgängig zu machen. Sie könnte möglicherweise die auf hohem Standard befindliche deutsche Griffonzucht in ihrem Leistungsstand negativ beeinflussen. Diese Möglichkeit wird durch das oben geschilderte Modell auf ein berechenbares Maß reduziert. Seit dem Jahre 2000 züchtet der Griffon-Club in drei voneinander unabhängigen Linien. Die sogenannte D-Linie beinhaltet nur Hunde, die von deutschstämmigen Griffons abstammen. In der F-Linie werden nur Tiere miteinander verpaart, die von ausländischen, französischen oder holländischen Griffons abstammen. Diese beiden Linien werden als reines genetisches Reservoir betrachtet und in sich weiter gezüchtet. Schließlich entstand durch die Verpaarung von Tieren der F-Linie und der D-Linie die sogenannte Intermediär-Linie (I-Linie). Aus dieser Linie wird für die F-oder D-Linie kein Zuchtmaterial verwandt, so dass diese rein bleiben. Durch dieses Zuchtprinzip resultierten in der neuen I-Linie Korthals-Griffons mit völlig neuen Kombinationen des Erbgutes. - Man hatte durch dieses Modell die in unserer Rassehundezucht unbedingt notwendige Auszucht betrieben, ohne mit anderen Rassen "fremdzugehen". |
| http://jagd.de/magazin/jagdhunde | 29.07.2010 |